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Chemnitz, dernière chance?

In Chemnitz starb ein junger Mann, er fiel einem Verbrechen zum Opfer, dessen Aufklärung allein die Aufgabe der zuständigen Behörden ist. Es stimmt traurig, wenn Verbrechen geschehen, es macht auch wütend. So wie jeder Tod einen wütend machen kann. Der Tod erscheint einem oftmals ungerecht, selbst dann, wenn er unvermeidlich war. Dieser Tod war sicher nicht unvermeidlich und genau deshalb setzt die zuständige Staatsanwaltschaft alles daran, dass der oder die Täter bestraft werden. So, wie es unser Gesetz verlangt. Den Hinterbliebenen, der Familie und den Freunden des Opfers, bleibt am Ende nur die Trauer. Selbst dann wenn das Urteil für den Täter gesprochen wurde, hinterlässt der Verstorbene eine große Lücke im Leben aller, die ihn kannten.

Wir sprechen all diesen Menschen unser Mitgefühl aus, wünschen Ihnen Kraft, das Geschehene zu verarbeiten.

Leicht wird es nicht werden für die Menschen, die ihn kannten, schätzten und liebten. Sie haben nicht nur den plötzlichen Tod mitten in ihrenReihen zu verkraften, sondern auch den Umstand, wie abscheulich vonseiten rechter Gruppierungen damit umgegangen wird. Da stirbt ein Mensch und als hätte die wütende Meute nur auf einen solchen Vorfall gewartet, kommt sie aus ihren Löchern gekrochen um Propaganda der übelsten Art zu betreiben. Als Verfasser dieser Zeilen habe ich lange überlegt, ob und wie ich diese Worte schreibe.

Es geht mir nah. Es geht mir nah, dass ein Mensch ums Leben kam und es geht mir nah, dass dieser Vorfall wieder einmal die hässlichste Fratze unseres Landes in das Rampenlicht rückt.

Es geht mir nah, dass die Presse sich weltweit überschlägt, um von Nazis und rechten Bürgern im Osten Deutschlands zu berichten statt von friedlichen Festen und wunderschönen Landschaften und freundlichen Menschen.

Der Vorfall liegt nun eine Woche zurück und dominiert seitdem die klassischen, wie auch die sozialen Medien. Die Stimmung ist aufgeheizt, weltweit wird von rechten und linken Aufmärschen berichtet. Auch das politische Ausmaß nimmt ungeahnte Züge an. Immer mehr kommt zum Vorschein über politisches Versagen und Fehleinschätzungen der Sicherheitsbehörden, Schlamperei oder gar Faulheit. Die Stimmung droht zu eskalieren. Die Lage in Chemnitz ist ernst. Für das heutige Friedenskonzert in der Stadt wurden Sicherheitskräfte aus umliegenden Bundesländern zusammengezogen. Fußballspiele können nicht stattfinden. Die Gewalt hat die Menschen im Griff und Gegengewalt kann nicht die alleinige Lösung sein. Wir fragen uns zu Recht, wie es so weit kommen konnte.

Ja, die Politik hat versagt! Aber ganz gewiss nicht, in dem sie Flüchtlingen einen sicheren Platz bietet. Die Politik hat versagt, weil sie seit Jahren untätig zusieht, wie sich rechtes Gedankengut verbreitet, sich eine Plattform nach der anderen zunutze macht und jetzt gedanklich brandschatzend mit aggressiven Parolen durch unsere Straßen zieht. Die Politik hat versagt, in dem sie realitätsfern und bar jeglicher Vernunft, die Sorgen der Menschen nicht mehr wahrnimmt und auf dringende Probleme im Land keine Antwort mehr gibt. Diese Menschen sind es jetzt, die wie Hampelmänner Beifall klatschen, sobald ihnen jemand vorgaukelt, er würde ihre Sorgen ernst nehmen. Wünschen wir uns also, dass in Anbetracht der Tragödie in Chemnitz die Bundesregierung erwacht, der rechten Politik endlich Einhalt gebietet und ihrer eigenen Verantwortung den Bürgern gegenüber wieder gerecht wird. Wünschen wir uns, dass diejenigen, die in Chemnitz laut brüllen, eben nicht das VOLK werden, das uns friedliebenden Menschen vertritt.

Wir brauchen endlich wieder ein MITEINANDER, egal woher wir kommen, wo wir leben, welcher Rasse oder Religion wir zugehörig sind, egal ob wir arm sind oder reich, egal ob wir gebildet sind oder noch viel zu lernen haben.

2 Kommentare zu “Chemnitz, dernière chance?

  1. Danke für diese klare Stellungnahme.

  2. Diesen Artikel hätte ich mir auf der Bundesseite gewünscht. Schade dass es die Betreiber dieser Seite nicht schaffen, mehr als einen Artikel pro Woche zu posten. Diese dort veröffentlichten Artikel spielen auch ganz gewiss nicht in der angestrebten Champions-League, sondern zählen eher zu den lauwarmen, opportunistischen Verlautbarungen, die die derzeit genauso handlungsunfähige wie handlungsunwillige Führungsriege dieser Partei gerade noch abzusondern vermag.

    Und was Chemnitz konkret angeht, kann ich mir den Verdacht nicht verkneifen, dass es auch ganz bestimmte Piraten gibt, die immer noch Verständnis für die “besorgten Bürger” haben. Die Leute, aus denen sich der den Mob in Chemnitz rekrutierte, waren halt ganz besonders besorgte Exemplare, nicht wahr? Sie waren so besorgt, dass ihnen Selbstjustiz als geeignetes Mittel der Wahl erschien.

    Ein junger Mann ist durch fremde Hand zu Tode gekommen. Das ist schlimm und die Täter gehören nach Recht und Gesetz hart bestraft. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie Ausländer oder Deutsche sind. Stellen wir uns doch einfach mal die Frage, warum AfD & Co nicht zu “Trauermärschen” aufrufen, wenn ein Deutscher seinen Nachbarn im Streit dahinmeuchelt oder eine deutsche Mutter ihre Kinder killt. Ist das weniger schlimm oder gehört das schlicht zur schützenswerten abendländischen Kultur?

    Manchmal kann man gar nicht so viel essen, wie man…

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